Die "Alte Merkelfabrik" wird neuer Firmensitz der imk automotive

Die Geschichte der Merkelfabrik

Der Lehngutsbesitzer und Lehnrichter von Altenhain, Johann August Hößler, beauftragte Anfang des 19. Jahrhunderts den Altenhainer Baumeister Christian Friedrich Uhlig, eine wasserbetriebene Spinnmühle zu erbauen.

Diese Baumwollmaschinenspinnerei, auch "Hößlersche Spinnmühle" genannt, wurde 1821 vom Baumeister errichtet. Zum Betrieb der Spinnerei wurde ein Nebenflüsschen des Dorfbaches in Teichen angestaut. Im Keller des Gebäudes befand sich ein Wasserrad, und von der Radkammer aus wurde die Kraft durch Löcher in den Böden direkt zu den Spinnmaschinen in den oberen Stockwerken übertragen.

Im Jahr 1880 gründete Friedrich Eduard Lohr eine Firma und baute bis 1890 die Untere Spinnmühle zur Möbelfabrik um. Die Firma fertigte Gestelle für Stühle, Sessel, Sofas und auch Tische. Ernst Merkel, der Schwiegersohn von Eduard Lohr, übernahm die Fabrik kurze Zeit später.

Dessen Söhne Martin und Konrad führten dann die Möbelfabrik weiter und bis zur Enteignung 1973 blieb sie im Besitz der Familie Merkel. Ab 1960 war die Firma Ernst Merkel KG halbstaatlich, 1973 wurde sie in einen "Volkseigenen Betrieb", VEB Gestellbau, umgewandelt.

Die Treuhand übernahm die Fabrik 1990, die Produktion musste eingestellt und der Betrieb stillgelegt werden. Familie Merkel erhielt ihren Besitz 1994 zurück; im Oktober 2000 verkaufte die Erbengemeinschaft den Fabrikkomplex an die Chemnitzer GIB GmbH. Diese plante eine Sanierung und Umnutzung des Kulturdenkmals zu Wohnzwecken. Seit 2002 stand das Grundstück mit dem Fabrikgebäude zum Verkauf.

Das Kulturdenkmal Merkelfabrik

Das Gebäude ist entsprechend §2 Sächsisches Denkmalschutzgesetz (SächsDSchG) als Kulturdenkmal erfasst. Das öffentliche Interesse an diesem Objekt basiert auf seiner stadtgeschichtlichen, baugeschichtlichen sowie industriegeschichtlichen Bedeutung.

Die untere Spinnmühle gehört zu den letzten, noch erhaltenen früheren Spinnmühlen des sächsischen Kirchenbaumeisters Christian Friedrich Uhlig (1774-1848). Sie ist somit Zeugnis der frühen Industriebauten Sachsens. Sie ist bereits in der topographischen Karte von 1821 eingezeichnet. Das Gebäude wurde seit 1895 als Möbelgestellfabrik Merkel zur Möbelfabrikation genutzt. Die Produktion wurde erst 1990 eingestellt.

Das 4x9 Achsen große Gebäude zeigt in eindringlicher Weise die zweckbetonte und wohlproportionierte Architektursprache des Baumeisters C.F. Uhlig. Durch das hohe Mansarddach steht das Gebäude in der Tradition der barocken Bürgerhäuser. Die Fassaden der Spinnmühle wurden mit sandfarbenem Glattputz versehen. Durch die Verwendung von vermutlich farbig gefaßten Hilbersdorfer Porphyrtuff für Fenstergewände und besonders auch für die Schmuckeingänge, gestaltet mit halbplastischen Festons über einem zentralen Medaillon, wird die lokale Verwendung von Baustoffen genauso deutlich wie bei der Verwendung von lokalem Phyllitgestein, gemischt mit Hilbersdorfer-Porphyr als Mauerwerkstein für die Fassade.

Die Funktion als wasserbetriebene Spinnmühle wurde ursprünglich durch einen Windpfeil in der Symbolik eines Wasserrades auf dem Dach deutlich gemacht. Dieser vergoldete Windpfeil ist noch in Resten vorhanden. Ferner sind originale Fenster und Holzgeländer aus der Werkstatt C. F. Uhligs überliefert.